Wenn du nicht gerade in der Transport-Optimierung für einen Buchhändler arbeitest oder als Praktikant in einer Bücherei dazu verdammt wurdest, alle zurückgegebenen Bücher wieder einzuschlichten, dann hast du dir Frage, wie schwer ein Buch eigentlich ist, vermutlich noch nie gestellt. Wozu auch, wir wissen ja schließlich alle: Bücher sind schwer. Du erinnerst dich vermutlich noch recht gut daran, wie mühsam es war, einen mit Büchern vollgepackten Schulranzen nach Hause zu tragen. Oder daran, als plötzlich das Handgepäck irrsinnig schwer wurde, weil du dich vor der Abreise mal wieder nicht entscheiden konntest, ob du eher Lust auf den Kriminalroman oder die Fortsetzung des Fantasy-Klassikers hast oder vielleicht gar motiviert sein wirst, mit Hilfe des Sprachführers die Landessprache der Zieldestination zu erlernen. Letzteres passiert meiner Erfahrung nach maximal für 10 Minuten, dann wird der Sprachführer wieder verstaut und eines der „richtigen“ Bücher ausgepackt. Aber zurück zum Thema! Wie schwer ist nun ein Buch? Es gibt schließlich durchaus Situationen, in denen die Antwort auf diese Frage von Bedeutung ist:

Versand von Büchern: Das Gewicht spielt im Paketversand eine wichtige Rolle und ist maßgeblich für die Kosten einer Sendung. Wer Bücher effizient versenden will, muss folglich wissen, wie schwer sie sind.

Konstruktion von Bücherregalen: Schon von der Geschichte des Architekten gehört, der bei Planung einer Bibliothek vergaß, das Gewicht der Bücher zu berücksichtigen und daraufhin das ganze Gebäude versank? Dann vergiss die Geschichte besser wieder, sie ist eine Urban Legend, beruht also nicht auf Tatsachen. Nichtsdestotrotz gilt: Wer ein Bücherregal konstruieren will, der sollte darauf achten, dass dieses auch stabil genug ist und dem Gewicht der Bücher stand hält.

Entwurf von Buchstützen: Auch beim Kernthema dieser Webseite spielt das Gewicht von Büchern eine wichtige Rolle, denn eine Buchstütze die vom Gewicht der Bücher zur Seite geschoben wird oder gar umfällt, ist zweifellos eine ungeeignete Buchstütze (falls man sie überhaupt noch so nennen kann).

Und zu guter Letzt macht es doch auch einfach Spaß, Fragen zu beantworten, die eigentlich gar niemand gestellt hat.

Gewicht eines Buches berechnen

Um das Gewicht eines Buches grob zu berechnen benötigen wir drei Parameter: Seitenanzahl, Papierstärke und Format des Buches.

Seitenanzahl

Je mehr Seiten ein Buch hat, desto höher wird natürlich auch dessen Gewicht. Da praktisch alle Bücher mit fortlaufenden Seitennummerierungen versehen sind, ist ein manuelles Zählen der Seiten zum Glück nicht notwendig. Sind die Seiten vorne und hinten bedruckt und nummeriert, so muss die Seitenzahl durch zwei dividiert werden, um die Anzahl der verwendeten Papierseiten zu erhalten.

Papierstärke

Die Papierstärke wird als Quadratmetergewicht angegeben und in der Fachsprache als Grammatur bezeichnet. Sie gibt an, wie viele Gramm ein Papier pro Quadratmeter Fläche wiegt. Unterhaltungsliteratur wird üblicherweise auf einem Papier mit 70 – 100 g/m² gedruckt, Sachbücher auf Papier mit 120 g/m², Bildbänder teilweise auf noch dickeren Papier.

Buchformate

Grundsätzlich können Bücher in praktisch allen erdenklichen Größen gedruckt werden. Und ein kurzer Blick ins Bücherregal macht recht schnell klar: das werden sie auch. Kaum ein Buch gleicht einem anderen, ein lückenloses Stapeln klappt meist nur bei Büchern vom gleichen Verleger. Es gibt einige Standard-Formate, welche etwas häufiger auftreten, Buchformate sind aber keineswegs darauf beschränkt. Die typischen Formate umfassen: 

  • 12,0 cm × 19,0 cm – Standard Taschenbuch
  • 14,8 cm × 21,0 cm – DIN A5
  • 17,0 cm × 22,0 cm – Standard Fachbuch
  • 17,0 cm × 24,0 cm
  • 21,0 cm × 29,7 cm – DIN A4

Die Fläche einer Seite ergibt sich aus der Multiplikation von Länge und Breite. Nehmen wir die Seite eines Standard Taschenbuches als Beispiel, bekommen wir folglich 12 cm × 19 cm = 228 cm² Fläche.

Die Berechnung

Haben wir die drei Parameter zur Verfügung, können wird das Gewicht eines Buches wie folgt berechnen:

Gewicht = Papierstärke × Fläche einer Seite × Seitenanzahl / 2 

Für ein typisches Taschenbuch mit 300 Seiten sieht die Rechnung wie folgt aus:

90 g/m² × 0,0228 m² × 300 Seiten / 2 = 307,8 g

Für ein Buch mit 300 Seiten im DIN A4-Format und dickerem Papier:

120 g/m² × 0,06237 m² × 300 Seiten / 2 = 1122,66 g

Möchte man das Gewicht eines Buches exakt bestimmten, sollte man außerdem auch noch das Gewicht des Umschlages berücksichtigen. Bei einem Softcover-Umschlag (Paperback) zählt man dazu einfach noch zwei Seiten mit dickerem Papier (z.B. 250 g/m²) dazu. Bei Hardcover-Büchern hängt das Gewicht des Umschlages vom verwendeten Material ab, eine vollständige Aufzählung würde hier wohl etwas den Rahmen sprengen. Außerdem hat auch die verwendete Tinte / Druckerschwärze ein Eigengewicht, dieses ist jedoch so gering, dass wir es guten Gewissens vernachlässigen können.

Kontrolle: Wie schwer sind die Bücher tatsächlich?

Kontrolle: Bücher auf die Waage

Versuch #1: Wir beginnen mit dem ersten Teil der Fantasy-Serie „Die Zwerge“ von Markus Heitz. Das Taschenbuch hat Maße von etwa 13 cm × 21 cm und 640 Seiten. Die Rechnung sieht daher wie folgt aus:

90 g/m² × 0,0273 m² × 640 Seiten / 2 = 786,24 g

Tatsächlich bringt das Buch 843 Gramm auf die Waage, der Unterschied lässt sich durch das Cover alleine wohl nicht ganz erklären, möglicherweise wurde etwas dickeres Papier verwendet (im Bereich 90-100 g/m²).

Versuch #2: Für den zweiten Kontroll-Versuch nehmen wir das Buch „Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson. Das Buch hat ein Format von etwa 11 cm × 18,5 cm und wiegt 350 Gramm. Mit unserer Formel ermitteln wir das Gewicht wie folgt:

90 g/m² × 0,02035 m² × 432 Seiten / 2 = 395,604 g 

In diesem Fall kommen wir also auf ein etwas zu hohes Gewicht. Die Seiten fühlen sich aber auch weniger hochwertig als jene in „Die Zwerge“. Tauschen wir die 90 g/m² durch 80 g/m² aus, kommen wir ziemlich genau auf das tatsächliche Gewicht von 350 Gramm. 

Versuch #3: Damit wir auch Bücher mit anderem Papier untersuchen, packen wir auch noch „Der Wok – Leicht, schnell und gesund„ von G. Poggenpohl auf die Waage. Die Abmessungen sind etwa 21 cm × 28 cm. Das glänzende Papier unterscheidet sich deutlich von dem Papier in den Romanen und erinnert uns an Fotopapier, welches eine typische Papierstärke von 250 g/m² aufweist. Die Berechnung erfolgt wieder wie üblich:

250 g/m² × 0,0588 m² × 86 Seiten / 2 = 632 g

Das tatsächliche Gewicht des Buches liegt bei 634 g, erneut liegen wir mit unserer Formel also recht gut. 

Zusammenfassung

Die Berechnungs-Formel ermittelt das Gewicht eines Buches recht zuverlässig, vorausgesetzt man kennt die Papierstärke. Hat man einige Bücher zum Vergleichen zur Hand, lässt sich diese durchaus grob abschätzen. Die Seiten eines Buches mit 100 g/m² fühlen sich klar höherwertiger als Seiten eines Buches mit 70 g/m² an. 

Ein typischer Roman im Taschenbuch-Format mit 400 Seiten wiegt zwischen 350 und 500 Gramm, ein großes Kochbuch mit 150 Seiten wiegt typischerweise bereits über 1 Kilogramm. Wenn du für deinen Urlaub also üblicherweise 3 bis 4 Romane mitnimmst, dann sind das zwischen 1,5 und 2 Kilogramm Extra-Gewicht für deinen Koffer. 
 


Quellen